Kohlenspott zieht um.

Kohlenspott TRUCK

Liebe Bloggemeinde,

nach vielem Basteln und Ausprobieren der vielen Möglichkeiten bei WordPress bemerke ich:  hier macht es Spaß, zu bloggen. Eine sympathische (neudeutsch) Community ist mir entstanden, einige Mitschreiber sind mir schon seit vielen Jahren aus meiner mehr als zehn Jahre währenden Bloggerzeit bei Twoday vertraut, eine Plattform, die leider nur noch so dahindümpelt, nicht mehr gepflegt wird und die seit längerer Zeit auch keine neuen User mehr aufnimmt. Ich bedaure das sehr, denn ich bin dankbar, weil ich dort meine ersten Erfahrungen als Blogger mit meinem SpiegelEi-Blog sammeln konnte und dabei eine wahrhaft tolle Schreibergemeinschaft gefunden habe. Schade, aber „et is, wie et is.“

Meinem Schreib-und Mitteilungstrieb werde ich nun aber verstärkt hier eine Heimat geben. Und die zieht auch nur „umme Ecke“.

Kurzum: hier beim Kohlenspott ändert sich nur die Adresse.
Sonst nix.
🙂

NEU: http://www.kohlenspott.de

Alle Beiträge und Eure/Ihre Kommentare sind schon „drüben“.

Bis bald?
Ich freue mich auf Besuch.

Lo

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Holland in Brot. Und Prins Pils wird 50

Koning Willem-Alexander viert 27 april 2017 zijn 50e verjaardag.
Van harte gefeliciteerd!

Prost Majesteit

Der ehemalige Prins Pils (heute Koning van het Bier) feiert ausgelassen und fröhlich mit seinem Volk. Und alle haben veel plezier!
Die Niederländer sind schon herrlich verrückt.


Ein altes niederländisches Sprichwort lautet:
Liever brood in de zak, dan een pluim op de hoed.
Lieber Brot im Beutel als eine Feder am Hut
(= von Ehre allein kann man nicht leben.)


 

Ik houd van Nederland.
In der Tat mag ich unser Nachbarland.
Die Niederländer sind „erg gezellig“, und da ich mit „Voetball“ absolut nix am Hut habe, haben sich bei mir auch niemals „feindliche“ Gefühle gegen sie entwickelt. Ganz im Gegenteil.
Schon als Jugendlicher trampte ich gern für einen Tag über die Grenze, fuhr später dann mit dem Moped und noch etwas später dann mit dem Auto regelmäßig nach Zandvoort oder Noordwijk ans Meer.

Draussen ausserhalb der Dreimeilenzone ankerten bis zum September 1974 die Radiopiratenschiffe „Radio Noordzee Internationaal“ und „Radio Veronika“, die uns am Strand mit den absolut neuesten Welthits beschallten.
Diese „heißen“ Sommerwochenenden an der holländischen Nordseeküste waren traumhaft: dort kam uns alles viel freier, lockerer, bunter und toleranter vor: sie hatten wahrhaftig den Geschmack von Freiheit und Abenteuer, zumal sich hier und da ein zarter Hauch von Pot *hüstel* in die frische Nordseeluft mischte.
Die von der V.V.V. *) vermittelten Unterkünfte fürs Wochenende waren meist einfach: kleinste Kammern mit Bett und Frühstück (Ontbijt), oftmals im Hinterhof gelegen und nur über steilste Treppen erreichbar.

Das holländische Frühstück bestand immer aus Koffie („de koffie is klaar“), etwas Butter, Marmelade, en beetje Kaas, Hagelslag (=bunter Streuselzucker) und dem vermutlich weichsten und fluffigsten Brot der Welt, von dem man sich fünf Scheiben gleichzeitig in den Mund stecken konnte, ohne das Gefühl zu bekommen, überhaupt etwas im Mund zu haben. Vermutlich hat es einen Gummianteil in sich, denn, wenn man eine Scheibe mit der Hand zusammendrückt, bekommt sie nach kurzer Zeit ihre alte Form zurück.
Fluffig und pappig. Bruin of wit. (Braun oder weiß)
Die Farbe ist Geschmackssache.
Das Brot nicht. Es hat nämlich keinen.

Dazu stets eiskalte, harte Butter. Zum Streichen….
Godverdomme! wie sollste die auf die Scheibe kriegen, ohne dat Brot kaputtzumachen? Egal.

Wenn wir dann sonntagsabends mit Sonnenbrand auf der Haut und Piratenmusik im Ohr wieder auf dem Weg nach Hause waren, wussten wir: das Wochenende war wieder einmal „prettig en uitstekend!“ gewesen.
„Lang geleden“ – das ist lange her und bleibt unvergessen.

Da die Niederlande aus dem Ruhrgebiet schnell zu erreichen sind, liegt es auf der Hand, immer wierde gern mal hinzufahren. Es gibt dort wunderschöne Ecken zu entdecken, wie „bij voorbeeld“ (zum Beispiel) Limburg-Noord mit den wirklich hübschen kleinen Orten an der Maas (Arcen, Lottum): klein, grün, gepflegt, mit vielen Cafés, Biergärten und Lädchen (Winkels) und für Radfahrer ein Paradies.
Und das wirklich leckere Pils von Jan Hertog, en lekker frietjes met satésaus….

Tot de volgende keer, Nederland!
😉


*)  V.V.V. =  Vereniging voor Vreemdelingenverkeer, zu Deutsch „Vereinigung für Fremdenverkehr“.
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Bücherschrankgeschichten.

Seit Herbst 2016 wurden im Rahmen von Veranstaltungen an den Mercator Bücherschränken Texte aus zehn Ruhrgebietsstädten gesammelt, die nun in einem Buch veröffentlicht wurden.

Gestern war es dann soweit: in der Heldenbar des Essener Grillo-Theaters lasen (nach einer Ansprache durch Christine Bargstedt von der Projektschneiderei) der Sänger und Liedermacher Tom Liwa und die Entertainerin/Kabarettistin/Komikerin „Fräulein Nina“ (Nina Mühlmann) Auszüge daraus und feierten mit den beteiligten AutorInnen den Projekt-Abschluss.

Bücherschrankbuch

Bücherschrankgeschichten 1

Ich freue mich, und ich bin auch ´n bissken stolz, dass auch ein Text von mir darin aufgenommen und dieser gleich zu Beginn der Veranstaltung verlesen wurde.

Er handelt vom Verfall einer uralten, einst und auch heute noch sehr bekannten Kneipe  in Gelsenkirchen-Buer gegenüber des Rathauses, die aufgrund ihres kleinen runden Gebäudes mit einem Zipfeldach „Käseglocke“ genannt wurde und wirklich Geschichte(n) geschrieben hat. Der Bau verfällt zusehends und viele Versuche, dieses wahrhaftige Buersche Kneipendenkmal zu retten, sind leider gescheitert.


Käseglocke Buer Lothar Lange 1

Das Sterben der Käseglocke zu Buer

Wenn ich in Buer am Rathaus hocke,
was seh´ ich da? Die Käseglocke.
Da, wo einmal die Bierchen flossen,
ist alles dicht und abgeschlossen.
Die Fenster blind, die Tür verrammelt,
der ganze Bau total vergammelt.

Dein altes rundes Zipfeldach
ist auch schon weg – nun ist es flach.
Dein Anblick macht mich richtig bitter,
denn einst floss mancher Hektoliter
durch Tausende von Buerschen Kehlen.
Ach Käseglocke, Du wirst fehlen.

Ob reicher Kerl, ob arme Socke,
man traf sich in der Käseglocke.
Wie viel Romanzen hier entstanden,
wenn Zwei sich an der Theke fanden,
für eine Nacht, oder für immer.

Manch Zecher, manches Frauenzimmer
hat hier bei Dir nach vielen Runden
sein Geld verlor´n – vielleicht Glück gefunden?

Auch aus dem Rathaus gegenüber
saß mancher hier und war hinüber.
Hier spülten auch Beamtenseelen
den Aktenstaub aus ihren Kehlen.

So mancher biergefüllter Bauch
entleerte diesen bei Dir auch,
wenn es zu viel der Biere waren
oder vom Korn, dem guten Klaren.

Rauchgeschwängert, Deine Wände,
füllten sie sicher dicke Bände
mit Liebes-, Freud-, und Leidgeschichten,
so viele könnt´ kein Dichter dichten!

Vom Prahlhans, der hier mächtig prahlte,
und dann den Deckel nicht bezahlte,
und von der Schalker Fußballbraut,
die draußen ihren Kerl verhaut.

Und wie oft hat so mancher Gast
am Schluss die Linie 1 verpasst,
die um die Käseglocke rollte
und ihn nach Hause bringen sollte?

Ach, Käseglocke, altes Haus,
wirklich erbärmlich siehst Du aus,
wie etwas, was man nicht mehr braucht,
Dein Leben scheint nun ausgehaucht,

Dein Schicksal kennen die Gestirne.
Ganz sicher wird´s die Abrissbirne.

Arme Socke, Käseglocke!

Lothar Lange


Ab Mai ist das Buch in den Bücherschränken verfügbar. „Bücherschrank-Geschichten“ wird gefördert durch die Stiftung Mercator und realisiert durch das Netzwerk Mercator Bücherschränke in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, u.a. dem Schauspiel Essen.

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Nieder mit den Sitzriesen!

Dat Leben is ungerecht.
Neulich im Essener Aalto-Theater:
architektonisch ein Traum – auch dat Programm-Angebot.
Ballett, Oper, allet, wat das Härz begehrt.
Neulich wieder.
Erster Balkon, zweite Reihe.
Erste Reihe wär auch noch frei gewesen,
aber der Unterschied im Preis war schon happich.
Also zweite Reihe.
Mehrere Monate der Vorfreude verrauschen – und der Abend is da.
Baden, Fußnägel schneiden und frische Unterwäsche an, falls man unterwegs ungeplant in´t Krankenhaus kommt – Schickmachen, und dann ab mitte Limousine nach Essen.
Gläsken Sekt im Forjeh und den Balkon aufsuchen.
Schöne Plätze mit Blick direkt auffe Bühne.
Im Orchestergraben Übungsgedudel, kann gleich losgehen.
Kurz, bevor dat Licht schummerich wird, kommt ein Pärchen.
Sie klein, er erstmal auch.
Dann setzt der Kerl sich vor mich…….. und….?
Ja, wat is datt denn?
Der scheint zu stehen!
Der wird nich kleiner!
Ich seh nix!
Hömma!
Hallo?
Der sitzt!
Und vor mir is allet dunkel!
ALARM!
Dat is ein SITZRIESE!
Der verdeckt mit seinen Schultern die ganze Bühne.
Und dann der Kopp: mal nach rechts, dann mal nach links.
Um wat zu sehen, mache ich genau dat Gegenteil: er nach rechts – ich nach links.
Wat zur Folge hat, dat mein Hintermann dat Gegenteil von dem macht, wat ich mache.
Und dem sein Hintermann wiederum – und so weiter.
Dat heißt: der Sitzriese löst, ohne datter dat weiss,
mit jeder seiner Bewegungen hinter sich eine La-Ola-Welle aus!
Der ganze Balkon is am Bewegen!

Boah, ich hasse Sitzriesen im Theater oder im Kino.
Die müssten vorher anne Ticketkasse vermessen werden.
Und nur auffe hinterletzte Plätze dürfen.
Oder et müssten Sondervorstellung geben: nur für Sitzriesen.
Die sitzen sich dann ja nich gegenseitig im Weg.

Vonne Vorstellung happich nur die Hälfte mitgekricht.

Aber einen Trost happich – und dat is auch gerecht:
in sonnem Steh-Imbiss, da hat son Sitzriese dann aber die Arschkarte.
Da kannet schomma passieren, dat so ein Sitzriese verhungert,
weiler für´n Stehtisch zu kurze Beine hat
und deswegen auch nich an seine Pommes kommt.
Von mir aus….

Bissi Tage!

Sitzriese


 Ein Beitrag aus 2015, den ich zum WordPress-Ausprobieren noch einmal aus der Kiste geholt habe.
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Soleier. Kneipenkultur damals im Pott.

eierzeit

Heute war es wieder soweit: Eier wurden gekocht und in bunte Farben getaucht.
Als ich diese Eier in den Farbgläsern so vor mir sah, hatte ich plötzlich ein Bild aus längst vergangener Zeit vor mir:
Die 60er Jahre. Ich sah den alten, verrauchten Gasthof namens „Erler Hof“ in unserem Nachbarhaus auf der Cranger Strasse in Gelsenkirchen-Erle , den man durch eine hölzerne Schwingtüre betrat, hinter der sich zusätzlich noch ein richtig schwerer, grüner filziger Vorhang befand, der als Wind-, oder Rauchfänger diente, und der an die Seite geschoben werden musste, bevor der von dichtem Qualm vernebelte Blick dann frei war auf die große Theke, die von Männern, überwiegend Bergleute der nahen Zeche Graf Bismarck, mit Zigaretten in den Mündern und Biergläsern in der Hand umstanden war, meist noch ein Pinneken mit Doppelkorn auf dem Tresen vor sich, und in lauten Geprächen vertieft.

Erlerhof
Der äußere linke Teil der Theke besaß ein gläsernes, beleuchtetes Kühlfach, in dem  Frikadellen und Mettbrötchen oder auch Gewürzgurken präsentiert wurden.

Doch oben auf der Theke, dort stand ein riesengroßes Glas, gefüllt mit gekochten Eiern – noch in der Schale – in einer Salzlake schwebend: SOLEIER.
Durch den hohen Salzgehalt der Lake schwammen die Eier im Glas. Sie brauchten auch keine Kühlung.
Bier und Schnaps machten hungrig auf Herzhaftes.
Also bestellte der Gast sich ein Solei, pellte und halbierte es, nahm den gelben Dotter heraus, gab in diese freigewordene Kuhle Öl, Essig, Pfeffer und etwas Salz, legte den Dotter wieder ins Ei zurück, gab darauf noch ein wenig Senf und verzehrte diesen Leckerbissen mit Genuss.

Und nun frage ich mich, ob heute überhaupt noch irgendwo Soleier in Gaststätten angeboten werden.
Gesehen habe ich sie schon lange nicht mehr.

Aber:  Appetit auf so ein leckeres Solei – den habe ich jetzt beim Erinnern bekommen.

Schöne Eiertage!

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Heute schon gewachst?

Jau!
NRW steht wieder einmal vor Landtagswahlen.
Sämtliche Strassen sind mittlerweile zugepappt mit Plakaten.
Kreative Pappplakatgestalter- und Texter haben ihre Ergebnisse abgesondertliefert.

Hier für die GRÜNEN:

gewachst

Was will uns dieses Plakat sagen?

Die Ski-Saison ist so gut wie vorüber.
Das gemeinsame Wachsen von Skiern kann es nicht sein.

Gut,  der Frühling ist da: Zeit, als guter Deutscher wieder das Auto draussen auf der Strasse zu waschen und zu wachsen. Gemeinsam mit den anderen Nachbarn.

Oder ist es ein Hinweis auf die brutale Methode des Wachsens, statt Körperhaare zu rasieren? Das soll ja auch sehr, sehr schmerzhaft sein.
Also: “ZUSAMMEN. WACHSEN!” im Sinne von „Endlich wachst zusammen, was zusammengehört.“ oder besser gesagt: “Geteilter Schmerz ist halber Schmerz” ?

Und “ZUSAMMEN IST ES NRW” bedeutet:
Nicht Rasieren! Wachsen!“ ???

Vermutlich werden sich Spaßvögel am zweiten „A“ im Slogan zu schaffen machen.
Gemeinsam natürlich.

Bissi Tage!


Dankenschön an Manfred Voita für diese Anregung  🙂


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Wahre Worte.

wahre worte

April! April!

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Vorsicht! Fernsehzeitung!

Gezz mal ehrlich – so unter uns –
und ausserhalb vonne ärztliche Schweigepflicht:
Spürste dat auch, datte Dich nich so richtich gut fühlst?
Datte immer mal so´n bissken schlapp biss, und datte manchmal so´n Völlegefühl hass?
Auch, datt Dein Haar nich mehr so am Glänzen is?
Wenne Glück hass, hasse ja strapaziertet Haar, wat auch logisch is,
weil Du biss ja auch die ganze Nacht am Draufliegen.
Sowat hält auch dat dickste Pferdehaar nich aus.
Aber da gibbtet Schampong für. Oder gegen.
Wenne aber Pech hass, is das mangelhafte Ernährung.
Ja, dat kannze nachlesen inne Fernsehzeitung.
Und wat is mitte Nägel: kumma genau hin: sind se brüchich?
Und die Haut? Schlaff, die alte Pelle?
Tipp ausse Fernsehzeitung:
Äppel essen, weil, inne Schale is Urolsäure drin, dat hilft.
Haben Experten rausgefunden.
Und gezz kumma ganz genau hin: Na?
Dat Braune da auffe Hände! Dat is nich Restbräune vom letzten Sommer.
Gezz musse ganz tapfer sein: dat sind Altersflecken! Jau. Der Lack is app!
Wat wahr is, is wahr, und die Fernsehzeitung is da schonungslos.

Und bevor Du weisst
, wann im Fernsehn Alarm für Cobra 11 kommt, wirsse aufgeklärt, datte vielleicht Alarm im Darm hass, und datt dat verschluckte Luft sein kann, oder – und dat is der Knaller(!): Gasbildung im Darm!!!Und statt  Lafer!Lichter!Lecker!  auffe Mattscheibe – spürste plötzlich Grummel!Donner!Blubber!  inne Bauchgegend und Dir wird ganz mulmig umme Rosette. Gasbildung im Darm! Hömma!
Da krisse aber Schiss, datte zum Explosivgeschoss wirss und hass Angst um Dein Leben und umme Tapeten.Dat kommt vonne Fernsehzeitungen!
Die sind dat Schuld, datte krank wirst.

Und dat geht so:

Du fühlst Dich tofte, allet ist gut, Du hass gute Laune und willz mal gucken, wat heute im Fernseh kommt.
Dann schlägste die Fernsehzeitung auf, biss am Durchblättern und auf einmal: ZACK! – hasse statt dat Fernsehprogramm 23 neue Krankheiten am Balg.

Die machen sich sofort bemerkbar: hier zieht et anne Schulter, da im Kreuz, dat Herz fängt am rasen, Kribbeln inne Beine und Gas inne Gedärme, worauf sich Deine Libido sofort erst mal ausklinkt.
Gut, datt inne Fernsehzeitung auch gleich Tipps für die Medikamente gegen allet angeboten werden: gegen Nagelpilz, Scheidentrockenheit, Gurkenglasschwäche, Blähbauch, Sodbrennen, Altersflecken, Gürteltierose, Morbus Zalando und wat et nich allet an fiese Krankheiten gibt.

Und dat is der Trick vonne Fernsehzeitung
: erst macht se Dich krank, dann kaufst Du alle Gegenmittel, für die die Hersteller im Blatt gegen Geld auf Deubel komm raus Reklame machen. Dat is ein richtigen Kreislauf.

Und Du?
Du biss dat leidende und zahlende Opfer und guckst inne Röhre.
Aber nich in die vom Fernseher.

Wat kann man dagegen tun?
Einfach nich allet glauben, wat inne Fernsehzeitung steht und sich nur auf den Programmteil beschränken.
Der Beschiss fängt doch schon mittem Name an:
HÖR ZU.
Für ´ne Fernsehzeitung!
Allet klar?

Bissi Tage!


 

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Radio & Kinderfunk. Die 50er.

Den ganzen Morgen bin ich in der Schule nicht so richtig bei der Sache,
denn gestern abend sprach meine Mutter in ihrem ostpreussischen Dialekt:

„Jungchen, ich hab mir was ieberlegt. Ich werde morjen mal bei Heitjohann fragen jehen nach einem Radio.“  Heitjohann ist das Radiogeschäft in Gelsenkirchen-Erle auf der Cranger Straße, gleich neben dem Postamt. Und ein Radio besitzen wir nicht. Noch nicht.

Wir bekommen ein eigenes Radio!
Das Neueste aus dem Rundfunk erzählt uns immer die alte Frau Urban von nebenan. Sie hat so einen kleinen schwarzen Kasten auf einer Kommode neben dem Lichtschalter stehen. Mit einem gehäkelten Deckchen darunter.
Bei „Tante Urban“ darf ich auch sonntags um zwei Uhr immer den Kinderfunk vom NWDR hören. Das ist zwar schön und spannend und ich freue mich auch immer drauf. Aber bei Tante Urban riecht es immer nach „alter Omma“. Und bei ihr ist alles irgendwie fromm und ordentlich, dass ich mich nur traue, mucksmäuschenstill und stocksteif auf dem Stuhl vor ihrem Radio zu sitzen, um mir die neuesten Abenteuer von „Pingo, Pongo und dem starken Heinrich“ anzuzuhören. Und wenn der Kinderfunk vorbei ist, sag ich immer brav: „Danke, Tante Urban.“  Klar, gehört sich so.

Endlich ist die Schule aus. Ich muss immerzu an das neue Radio denken und wünsche mir ganz feste, dass es schon da ist, wenn ich gleich nach Hause komme. Ich renne die Treppenstufen zu unserer kleinen Dachgeschosswohnung hoch und höre schon im Hausflur leise Musikgeräusche aus unserer Küche kommen. Ich öffne die Wohnungstüre und sehe es schon:

Unser neues Radio! Links neben der Türe zum Schlafzimmer steht es auf einem kleinen Tischchen. Und es „spielt“.

Kinderfunk Kohlenspott

Es ist nicht so groß wie das von Onkel Otto und Tante Martha vom Hedwigplatz, die schon länger einen Radioapparat, sogar mit Schallplattenspieler, haben.

„Nu jeh mir da bloß nich dran, du Lorbaß. Nur gucken!“ Ich betrachte das neue Radio von allen Seiten. Es riecht. Nach neu. Nach Radio. Obendrauf ist es warm. Es hat unten links und rechts jeweils einen runden Drehknopf aus elfenbeinfarbigem Horn mit einem Goldrand drum. In der Mitte, zwischen den Knöpfen eine Reihe mit Tasten, die man runterdrücken muss: Aus-TA-MW-UKW-LW.
Der linke Drehknopf ist zweigeteilt: der kleinere vordere Ring ist zum laut– und leiser stellen und der etwas größere Ring dahinter zum Toneinstellen: dumpf oder klar..

„Nu verstell mir da nüscht! Hast Du nicht welche Schularbäiten auf?“
Für die blöden Hausaufgaben habe ich jetzt keine Zeit: „Nö. Nur wenig, mache ich später, darf ich dat mal ausprobieren? Ich mach schon nix kaputt.“
Meine Mutter verbietet mir selten etwas so richtig.

Mit dem rechten Knopf stellt man also die Sender ein. Aha. Das ist spannend, denn über den Knöpfen und Tasten gibt es eine schwarze Glasscheibe, auf der neben- und untereinander Städte- und Sendernamen in Goldschrift zu lesen sind: BAYR.RFK – Vatikan –Bremen – Budapest – NWDR – Kalundborg – Beromünster – England – RIAS…. Neben jedem Namen hat das schwarze Glas dann einen kleinen hellen Streifen, der von hinten beleuchtet ist.
Dreht man an dem rechten Knopf, bewegt sich ein Zeiger hinter dem Glas und zeigt auf den eingestellten Sender. Das ist aber nicht das eigentlich Spannende, sondern das grüne „magische Auge“ ganz links in der Glasscheibe! Das ist die Wucht. Verstellt man den Sender, verändert sich das grün beleuchtete Auge. Der Sender ist erst dann richtig eingestellt, wenn das Auge an allen Seiten richtig hellgrün ist und die Lichter in der Mitte des Auges nicht übereinander liegen. Das muss im Dunklen ganz toll aussehen….
Die Töne kommen aus der Stoffbespannung darüber. Dahinter ist nämlich der Lautsprecher.

In einem braunen Papier-Umschlag finde ich die Beschreibung für unser neues Radio und einen  aufklappbaren Plan mit Zeichnungen, die ich nicht verstehe. Dazu ein Papier von „Radio Heitjohann“, auf dem ich lesen kann, dass meine Mutter das Radio für 330 Mark gekauft hat. 50 Mark hat sie angezahlt. Der Rest ist in Monatsraten pünktlich und bar…

Wir haben ein eigenes Radio! Das muss ich meinen Freunden Hermann und Bernd erzählen. Die werden Augen machen, denn jetzt können wir bei uns zu Hause auch mittwochabends den englischen Schallplattenjockei Chris Howland hören, der immer so lustig spricht: „Hallo meinar Freundar! Booooing! Sitzen Sie bäquäm. Hier ist ähr alte Freund Heinrich Pumpernickel!“ Und dann spielt er die neueste englische Musik, von der ich aber kein Wort verstehe. Aber Hermann und Bernd sagen, das wäre ganz neumodern.

Vielleicht darf ich dann endlich auch einmal eins dieser Kriminalhörspiele mit Kommissar Paul Temple hören, von denen alle immer sagen, wie spannend die sind…

Ich werde Mutti schon rumkriegen…


Persönliche Kindheitserinnerungen an die Zeit um 1957 und danach in Gelsenkirchen, der Zeit der Pettycoats und der des Wirtschaftswunders mit seinen Erstmaligkeits-Erlebnissen, wie das erste Radio, den ersten Fernseh-„Apparat“…
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Leben verlängern? Man nehme eine Gurke…

Das Methusalem-Kompott!ehu-d7-51d9Hier gefunden

Super! Dann nehme ich drei Gurken, drei Wasserhähne und die dreifache Portion Käse.

foeveryoung-kohlenspott

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