Bitte berühren…

Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Scheu habe, offen auf  fremde Menschen zuzugehen, sie nach dem Weg zu fragen, oder mit ihnen einfach ein Gespräch zu beginnen. Das geschieht natürlich stimmungs- und situationsbedingt und stets rein freiwillig.

Unwohl fühle ich mich allerdings, wenn ich dazu aufgefordert werde, jemanden zu berühren, der mir fremd ist, wie es zum Beispiel in Kirchen passiert, wenn der Pastor dazu auffordert, seinen Nachbarn ringsherum „zum Zeichen des Friedens“ die Hand zu geben. Mache ich, aber ehrlich gesagt, nur widerwillig mit einem gequälten Lächeln.

Neulich, an der Fußgängerampel zur alten Papiermühle in Bergisch-Gladbach kam ich allerdings in Nöte: eigentlich wollte ich nur einfach über die Straße auf die andere Seite, ein alltäglicher Vorgang eben. Doch ein kleines Schild am Ampelmast fordert mich auf, andere Fußgänger zu berühren! Nun, als guter Deutscher mit dem angeborenen oder ererbten Sinn für Ordnung, Gehorsam und Disziplin sträubt sich etwas in mir, ein amtliches Schild so einfach zu ignorieren, auch, wenn sich mir der Sinn der Aufforderung nicht sogleich erschließt, denn ich stand allein an der Fußgängerampel. Sollte ich nun warten, bis jemand anderes kommt, um ihn oder sie zu berühren? Würde ich dann auch von ihm oder ihr berührt?

Bekomme ich eine geknallt, wenn ich eine mir Unbekannte einfach so berühre, weil sie das Schild nicht gelesen hat? Und an welcher Körperstelle soll man sich berühren, ohne sich dem Verdacht des Grapschens auszusetzen, was ja gerade aktuell in die #MeToo -Diskussion passen würde.

Lockt so ein Schild nicht auch Lustmolche an, die sich einfach so an die Ampel stellen, um sich berühren zu lassen und bei Nichbefolgung gar wegen der Ordnungswidrigkeit mit der Polizei drohen?

Was wäre, wenn nun plötzlich eine ganze Busladung Papiermühlenbesucher neben mir steht? Dürfen wir alle erst auf die andere Straßenseite, nachdem wir uns alle gegenseitig berührt haben? Und: ist das nicht auch irgendwie unhygienisch?

Sachdienliche Hinweise sind herzlich willkommen.

20180114_153619

 


Mit einer leisen Berührung, kaum spürbar,
einfach so im Vorübergehen…
kann man ein Stück Himmel schenken.


 

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Über Lo

Wer im Schatten des Förderturms der Gelsenkirchener Kohlenzeche Graf Bismarck aufgewachsen ist – zu einer Zeit, als man tatsächlich noch vom “schwatten Kohlenpott” sprechen konnte, weil damals “Wäsche auffe Leine” nicht lange weiß blieb, wer sommerliche Badefreuden nicht am blauen Meer, sondern am Ufer des Rhein-Herne-Kanals – der so genannten “Frikadellen-Riviera” – genoss und sich als Kind über “Hasenbrot” freute, was in Wirklichkeit nichts anderes war, als die wieder mit nach Hause gebrachten Stullen, die vom Vater als Bergmann unter Tage nicht aufgegessen wurden, wer schon als kleiner Knirps ganz stolz für 50 Pfennige Belohnung 20 Zentner regelmäßig vor dem Haus angelieferte “schwatte” Deputatkohle in den Keller schippte, der hatte eine vielleicht arme, aber trotzdem abenteuerliche und schöne Kindheit zur Zeit der Pettycoats und des Wirtschaftswunders. Meine Wurzeln sind der Kohlenpott und seine Menschen mit ihrem besonderen, grund”ährlichen” Charm. Gezz weisse Bescheid, oder?
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4 Antworten zu Bitte berühren…

  1. noemix schreibt:

    Fußgänger bitte drücken 😉

    Gefällt 3 Personen

  2. auchwasmitmedien schreibt:

    Mein Gott, ist das lustig, muss noch vor mich hin grinsen. Danke schön.

    Gefällt 1 Person

  3. frauvonflummiball schreibt:

    😀 Ich liebe solche ‚Schilder‘, da gibt es in Deutschland ja einige. Lustig geschrieben.

    Gefällt 1 Person

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