Vom Kindermachen.

„Hömma! Erzähl mir nix vom Storch!“

Isset nich so? Wat hat man uns als Kinder früher allet erzählt, wat gar nich wahr is.

Zum Beispiel dat mit dem Kinderkriegen: wenn dat neue Kind plötzlich da war, hat man uns erklärt, dat wär der Storch gewesen. Der hätte der Mutter innet Bein gebissen, und zack: war wieder einer mehr inne Familie.

Und dann haben se gesacht, datt, wenne Dir ein Brüderken oder ein Schwesterken wünschst, musse ganz viel Zucker auffe Fensterbank streuen: dat täte dann den Storch anlocken. Der holt dann dat gewünschte Geschwisterken irgendwo aussem Teich und bringt et nach Hause – und weil er wieder mal zugebissen hat, muss die Mama wegen dat verletzte Bein noch ein paar Tage im Krankenhaus liegen.

Verdelli, wat happich Zucker auffe Fensterbank verteilt! Immer wieder und jede Menge. Und? Nix! Wir hatten Pech mit unserem Storch: dat muss wohl ein Diabetiker gewesen sein.

Meine siebenjährige Freundin Rosemarie wusste da schon besser Bescheid und hatte mir (ich war ein Jahr jünger) verraten, datt Mamas und Papas „huntertmal ficken müssen“, und „dann kommt ein Kind“. Ich hab dann wissend genickt, obwohl ich nix wusste. Rosemarie schon. Und dann hattse mich aufgeklärt. Ab gezz wusste ich, datt die Großen uns die ganze Zeit nur belogen haben.

Lieferstorch

 Alles gar nicht wahr.

Gezz könnte man ja meinen, datt dat mit dem Storch und dem Zucker Schnee von gestern ist und datt dat mitte frühe Aufklärung heute bei uns schon im Kindergarten anfängt.

Und ich hätte dat auch allet längst vergessen,
wenn ich nich vor ein paar Tagen auffem Bonner Marktplatz diesen Stand gesehen hätte:

Kindertöpfern

Da brat mir doch einer ´nen Storch!
Gezz mal ährlich: sowatt glaubt doch heute wirklich kein Kind mehr!
Oder?

Bissi Tage!

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Über Lo

Wer im Schatten des Förderturms der Gelsenkirchener Kohlenzeche Graf Bismarck aufgewachsen ist – zu einer Zeit, als man tatsächlich noch vom “schwatten Kohlenpott” sprechen konnte, weil damals “Wäsche auffe Leine” nicht lange weiß blieb, wer sommerliche Badefreuden nicht am blauen Meer, sondern am Ufer des Rhein-Herne-Kanals – der so genannten “Frikadellen-Riviera” – genoss und sich als Kind über “Hasenbrot” freute, was in Wirklichkeit nichts anderes war, als die wieder mit nach Hause gebrachten Stullen, die vom Vater als Bergmann unter Tage nicht aufgegessen wurden, wer schon als kleiner Knirps ganz stolz für 50 Pfennige Belohnung 20 Zentner regelmäßig vor dem Haus angelieferte “schwatte” Deputatkohle in den Keller schippte, der hatte eine vielleicht arme, aber trotzdem abenteuerliche und schöne Kindheit zur Zeit der Pettycoats und des Wirtschaftswunders. Meine Wurzeln sind der Kohlenpott und seine Menschen mit ihrem besonderen, grund”ährlichen” Charm. Gezz weisse Bescheid, oder?
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4 Antworten zu Vom Kindermachen.

  1. Herr Ösi schreibt:

    Bedenklich, lieber Herr Lo, bedenklich,
    ich befürchte, dass bei den Kindertöpfern die Kinder weder getöpfert noch gedingsbumst werden, sondern dass es sich hier mal wieder um verbotene Kinderarbeit handelt …

    Gefällt 1 Person

  2. Mallybeau Mauswohn schreibt:

    Lieber Lo!
    Da brat mir doch einer n Storch. Was Sie so alles entdecken! Ich warte nur darauf, dass das K beim Kindertöpfern abfällt, dann hagelt es wieder Beschwerden, weil ausländische unterbezahlte Hilfsarbeiter an Marktständen erneut die Drecksarbeit verrichten und mit Lehm rum matschen müssen….
    Herzliche Grüße
    Malllybeau M.

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  3. noemix schreibt:

    Wer mit der Lieferung vom Storch unzufrieden ist, kanns ja später umtauschen.

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  4. Mitzi Irsaj schreibt:

    War da nicht noch was mit Kohlköpfen. Bitte um Aufklärung. Oder lieber nicht….ich erinnere mich mit Schaudern an die meiner Mutter.

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