Wenn Fliegen fliegen…

Eigentlich wollte ich damit angeben davon berichten, dass ich vor wenigen Tagen einen Trip in die Hauptstadt von Köttbullarien machte, von einer Fahrt mit einem über 100 Jahre alten Dampfschiff über die Schären an kunterbunten Holzhäuschen vorbei, vom Erschrecken über den Preis eines einfachen Glases Bier ( etwa 7 €) oder eines Glases Weisswein ( etwa 16 €),  von der Gamla Stan, der traumhaft schönen Altstadt Stockholms, von so vielen schönen Eindrücken aus dem Land des Knäckebrotes und der Billyregale.

 

Und doch sind es oftmals die ganz kleinen Dinge, die es noch mehr wert sind, sie mit genügender Aufmerksamkeit zu bedenken. Dieses gelingt natürlich am besten, wenn man entspannt ist, Zeit und Muße hat, oder sich ohnehin nicht wegbewegen kann, wie zum Beispiel am Fensterplatz eines Flugzeuges.

Ich bin, was das Fliegen anbetrift, ein staunendes Kind geblieben: selbst, wenn man mir sehr verständlich erklärt, warum ein so tonnenschweres Flugzeug fliegen kann, staune ich darüber, schaue aus dem Fenster, träume davon, wie es wohl wäre, auf den Wolken zu spazieren, versuche, mir markante Landschaftsgebilde zu merken, um sie später vielleicht einmal bei Google Earth wiederzufinden, suche Flugzeuge, die über oder unter mir daherfliegen….. bin mit dem Kopf in den Wolken.

So auch am Sonntag auf dem Rückflug von Stockholm nach Düsseldorf.
Ich schaue aus dem Fenster, träume vor mich hin – und bemerke, dass sich eine klitzekleine Fliege dazugesellt. Vielleicht eine Eintagsfliege, die sich sagt, was soll´s: heute fliege ich mal in der Weltgeschichte herum und morgen – ja morgen ist auch noch ein Tag...

Und ich frage mich, ob die Fliege wohl ahnen kann, dass sie mit fast 800 km/h unterwegs ist, und welche Dimension dieses Tempo und erst recht diese Entfernung im Verhältnis zu ihrer winzigen Größe ausmachen. Und, ob sie in Düsseldorf überhaupt zurechtkommt, so klein und fremd…

Irgendwann war sie dann nicht mehr da.
Vielleicht ist sie ja zur Bussiness-Class rüber.

Ich hoffe nur, sie ist nicht in einem Glas mit Tomatensaft gelandet.

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Über Lo

Wer im Schatten des Förderturms der Gelsenkirchener Kohlenzeche Graf Bismarck aufgewachsen ist – zu einer Zeit, als man tatsächlich noch vom “schwatten Kohlenpott” sprechen konnte, weil damals “Wäsche auffe Leine” nicht lange weiß blieb, wer sommerliche Badefreuden nicht am blauen Meer, sondern am Ufer des Rhein-Herne-Kanals – der so genannten “Frikadellen-Riviera” – genoss und sich als Kind über “Hasenbrot” freute, was in Wirklichkeit nichts anderes war, als die wieder mit nach Hause gebrachten Stullen, die vom Vater als Bergmann unter Tage nicht aufgegessen wurden, wer schon als kleiner Knirps ganz stolz für 50 Pfennige Belohnung 20 Zentner regelmäßig vor dem Haus angelieferte “schwatte” Deputatkohle in den Keller schippte, der hatte eine vielleicht arme, aber trotzdem abenteuerliche und schöne Kindheit zur Zeit der Pettycoats und des Wirtschaftswunders. Meine Wurzeln sind der Kohlenpott und seine Menschen mit ihrem besonderen, grund”ährlichen” Charm. Gezz weisse Bescheid, oder?
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4 Antworten zu Wenn Fliegen fliegen…

  1. Mallybeau Mauswohn schreibt:

    Lieber Lo!
    … oder wie Loriot über die Unglaublichkeit des Fliegens geschrieben hat:“ 140 fliegende Polstersessel mag man sich ja nicht mal im Traum vorstellen!“ 🙂
    Und die Fliege ist vielleicht am Hals des Flugzeugkapitäns gelandet, der ausversehen seine Krawatte vergessen hat…
    Herzliche Grüße von der Alm (hier bekommen Sie den Weisswein und das Bier selbstverständlich kostenlos!) 🙂
    Mallybeau Mauswohn

    Gefällt 3 Personen

  2. maribey schreibt:

    Faszinierend, diese Kleinigkeiten. Dabei ist es eine große Sache. So ein Umzug von Schweden nach Deutschland.

    Gefällt 2 Personen

  3. quersatzein schreibt:

    Oh, ist das spannend, mit einer Fliege zu fliegen!
    Danke für die philosophischen Flugzeuggedanken!
    Lieben Gruss,
    Brigitte

    Gefällt 2 Personen

  4. Manfred Voita schreibt:

    Es zeigt sich doch immer wieder, wie leicht Unbefugte an Bord kommen und dort möglicherweise Schaden anrichten. Möglicherweise von Terroristen vorher über irgendeine giftige Substanz gehetzt und dann…

    Gefällt 1 Person

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